Apfelweinstube im Himmelreich
Rustikale Küche mit himmlischer Aussicht
Den besten Apfelwein in Wiesbaden gäbe es hier, so legt es zumindest die Leserbefragung des Wiesbadener Kuriers vom letzten Jahr nahe. Doch was macht ihn so besonders und schmeckt er wirklich so gut?
Zugegeben, ich bin keine Apfelwein-Expertin, das ist nicht mein Fachgebiet, doch zunächst einmal ein paar Fakten: Expertise in Sachen Apfelwein ist hier vorhanden, das Kelterobst wird seit über 30 Jahren vor Ort ausgebaut und direkt ab Hof vermarktet. Im Angebot sind klassischer Apfelwein (0,25 l/2,50 €), den man pur, sauer- oder süßgespritzt genießen kann, ein prämierter Apfelsecco mit Quitte, der aus sortenreinem Most der Apfelsorte „Rheinischer Bohnapfel“ vergorene Apfel-Vino Premium, Himmelreicher Apfelblut (ein roter Apfelwein, vergoren aus Apfelmost mit ausgepresstem Traubentrester der Rebsorte "Dunkelfelder" oder "Spätburgunder") sowie naturreiner Apfelsaft und frisch gekelterter Apfelmost (nur im September und Oktober). Ganz neu im Angebot ist der Quittensecco (2,60€), der zu 100 Prozent aus Quittenmost hergestellt wird und einen fruchtig-herben Geschmack hat.
Neu ist auch, dass Sebastian Lühr kürzlich das Ruder übernommen hat. Ehemals als Küchenchef und Sternkoch im Kronenschlösschen, leitet er jetzt die Apfelweinstube seiner Schwiegereltern Doris und Ernst Lommatzsch. Kulinarisch bleibt es wie gehabt bei zünftiger deutscher Küche mit Gerichten wie Himmelreicher Handkäs, der hier aber doch ein bisschen besonders ist, da er in Apfelwein eingelegt und wahlweise mit oder ohne Musik serviert wird, hausgemachten Spundekäs (9,20 €) mit Bretzelchen, Brot oder Winzerweck, in das Speck eingebacken ist, Schnitzel oder Bratwurst mit Brot (9,20 €) oder hausgemachtem Kartoffelsalat.
Veganer sind hier definitiv falsch und Vegetarier haben ebenfalls nur eine sehr eingeschränkte Auswahl zwischen zwei, drei Gerichten. Besonders empfehlenswert sind die „Himmelspuffer“ mit geräuchertem Lachs und Sahnemeerrettich (16,50 €). Drei große gut ausgebackene Puffer gesellen sich traditionell gern zu Lachs und Meerrettich und sind immer ein solides Gericht, das eine gute Grundlage für mehr Apfelwein bietet. Auch Kaffee und Kuchen stehen auf der Karte. Ein warmer Apfelstrudel mit Eis und Sahne, dazu der Ausblick…einfach himmlisch!
Die feste Karte wird um eine saisonale Karte ergänzt und bietet so mehr Abwechslung.
Besonders sind hier nicht nur die eigens hergestellten Apfelweine und Seccos, sondern vor allem eben der fantastische Ausblick. Wenn ein Restaurant im „Himmelreich 1“ liegt, klingt das schon mehr als verlockend. Wer möchte da nicht einkehren? Gelegen zwischen Wiesbaden-Dotzheim, Schloss Freudenberg und Wiesbaden-Schierstein und eingebettet in wunderschöner Natur, gibt dieser Ort einen herrlichen Ausblick in die Rheinebene frei. Ein Besuch der Apfelweinstube lässt sich ideal mit einem Besuch des Schloss Freudenberg verbinden, liegt es doch nur fünf Gehminuten entfernt.
Übrigens: Wer nicht so Apfelwein steht, darf auch ein Bier oder Wein bestellen, ohne blöd angeschaut zu werden.
Kleiner Blick in die Geschichte
Seit den 1930er Jahren befindet sich das Anwesen im Besitz der Familie Lommatzsch. Es wurde von Ernst und Babette Lommatzsch zu einem landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieb mit Ackerbau, Viehzucht und Obstanbau erweitert. In den 80er Jahren übernahmen Sohn Ernst Lommatzsch und seine Ehefrau Doris das Anwesen und betrieben überwiegend nur Obstanbau. Besonderer Wert wird auf die Anpflanzung und Pflege alter Keltersorten wie „Rheinischer Bohnapfel“, „Ontario“ und „Kaiser Wilhelm“ gelegt. Seitdem wird dort der Himmelreiche Apfelwein erzeugt und direkt ab Hof vermarktet. Im Mai 1999 eröffneten Doris und Ernst Lommatzsch die erste „Apfelwein-Straußwirtschaft“ in Wiesbaden und Umgebung. Diese wurde 2002 in die „Apfelweinstube im Himmelreich“ als Gutsausschank umgewandelt und ist jeweils von Mitte März bis Ende Oktober geöffnet und seit kurzem wird sie von Sebastian Lühr geleitet.
Good to know
Tischreservierungen werden nur telefonisch entgegengenommen und nur für den Gastraum! Draußen kann man nicht reservieren. Hier wird ausschließlich Bargeld angenommen, Kartenzahlungen werden nicht akzeptiert.
Ob der Apfelwein der Beste ist, soll jeder für sich entscheiden. In jedem Fall ist es ein schönes Gefühl, ihn dort zu trinken, wo er selbst mit viel Herzblut seit Jahrzehnten hergestellt wird.
FAZIT: Wer bei schönem Wetter den Abend bei einem Glas Apfelwein, Bier oder Wein ausklingen und den Blick schweifen lassen möchte, ist hier genau richtig. Auch für Familien bestens geeignet, da die Kinder frei herumlaufen können. Liebhaber von urdeutschen, rustikalen Gerichten wie von Oma gekocht kommen hier voll auf ihre Kosten.
INFO
Apfelweinstube im Himmelreich
Himmelreich 1
65201 Wiesbaden
T: 0611-4501996 und 0611-426523
W: www.apfelweinstube-im-himmelreich.de
Öffnungszeiten
März bis Ende Oktober
Mittwochs bis Samstags von 15 bis 22 Uhr (Küche schließt um 21 Uhr)